Anfrage
Sehr geehrter Landrat Heilmann,
Vorbemerkung:
In der letzten Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz und Rettungswesen wurde die Beschaffung eines sogenannten Krisenkommunikationssystems erörtert und beschlossen. Es soll ein redundantes Netz mit den Gebietseinheiten geschaffen werden, um im Krisenfall (flächendeckender Stromausfall) ein autarkes Kommunikationsnetz zu erhalten. Es ist die Beschaffung von Stationen für den Landkreis und jede Gebietseinheit geplant, Kostenumfang ca. 340.000 €. Nähere Angaben zu den technischen Einzelheiten des Systems konnten in der Sitzung noch nicht gemacht werden. Es entstand aber der Eindruck, dass es sich um ein System außerhalb des Digitalfunks BOS handeln würde.
Anfrage
- Auf welcher technischen Basis funktioniert das zur Beschaffung vorgesehene Krisenkommunikationssystem, sind Schnittstellen zum Digitalfunk BOS vorhanden?
- Wo wird das zur Beschaffung anstehende Krisenkommunikationssystem bereits in Niedersachsen eingesetzt und welche Erfahrungswerte gibt es dazu?
- Durch welche Maßnahmen wird sichergestellt, dass im Falle von Landkreisübergreifenden Katastrophenlagen auch mit den Nachbarn kommuniziert werden kann?
Antwort
- Das Funksystem ist sowohl im urbanen als auch im ländlichen Bereich einsetzbar. Von der BNetzA hat die Fa. KomRe AG, Berlin, die vom Landkreis mit der Erstellung eines Sonderplans Stromausfall beauftragt wurde, für diese Art von Netzen exklusive und bundesweit Lizenzen für fünf Frequenzblöcke im 2m-Band mit bis zu 25W Sendeleistung pro Standort zur Verfügung gestellt bekommen. Grundsätzlich können beliebige Daten von jedem Standort zu jedem anderen Standort übertragen werden. Das Funknetz dient zur Vernetzung der Krisenstäbe des Landkreises mit denen der Samtgemeinden und Städte. Zur Kommunikation werden Funkkoffer genutzt. Ein Koffer dient dabei als Leitstand.
Das Krisenkommunikationsnetz soll in Landkreisverantwortung aufgebaut werden. Dieses umfasst einen Leitstand sowie zwei bis drei Repeater-Standorte. Die zehn kommunalen Gebietseinheiten werden über eigene Kommunikationskoffer für ihre Verwaltungsstäbe angebunden. Damit würden für das primäre Funknetz insgesamt 11 Koffer zzgl. 2-3 Repeater benötigt. Der Leitstand wird beim KatS-Stab des Landkreises eingerichtet sowie jeweils ein Koffer bei den Verwaltungsstäben der Samtgemeinden und Städte. Für die mögliche Erweiterung des Funknetzes können, je nach Bedarf, perspektivisch weitere Koffer in das Krisenkommunikationssystem integriert werden. Dabei sollten die Leitstelle, die Feuerwehren, die Wasserversorger und die Kat-Leuchttürme priorisiert werden.
Die Funktionalität im Überblick:- Digitales Datenfunksystem im 2 m Band, 150 MHz, mit stationären und mobilen Funkkoffern (Ausstattung: Laptop, Fensterantenne, Notfallkommunikationssoftware sowie Batterie für temporären Betrieb ohne externe Notstromversorgung)
- Reichweite zwischen Feststationen 20-40 km
- bundesweit exklusive Funkfrequenzen im 2m-Band mit hoher Sendeleistung
- Unabhängig von externen Providern und daher geringe laufende Kosten
- Einfach zu bedienendes System und auch von Ungeübten nach kurzer Einarbeitung sicher beherrschbar
- Die eingesetzte Technik ist nach CE, FCC part 90, RSS119, ECE-Regulation 010.00 und EN 61 373 zertifiziert
- Anbindung von BOS/TETRA über CommandX möglich
- Derzeit wird ein hybrides Krisenkommunikationssystem auf Basis des KriKom-Netzes im Landkreis Emsland aufgebaut. Da das System im Aufbau begriffen ist, gibt es noch keine Erfahrungswerte aus dem praktischem Einsatz. Außerhalb von Niedersachsen wird das System u.a. von der BF Berlin und der BF Potsdam, sowie vom Landkreis Meißen genutzt.
- Grundsätzlich ist das KriKom-System im Landkreis Gifhorn zunächst für die Vernetzung auf Landkreisebene vorgesehen. Sinn, Ziel und Zweck ist eine sichere und geschützte Kommunikation zwischen den Krisenstäben der Samtgemeinden und Städten mit dem Krisenstab der Kreisverwaltung.
Durch die Bereitstellung weiterer Notfallkoffer könnte aber auch eine über die Landkreisgrenzen hinausgehende Kommunikation mit den angrenzenden Landkreisen und Städten sichergestellt werden. So kann z.B. der Landkreis Meißen über das System auch mit den Landkreisen Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kommunizieren. Darüber hinaus ist die zentrale Einsatz- und Rettungsleitstelle in der Landeshauptstadt Dresden ebenfalls in das Kommunikationsnetz integriert.